Ein besonderes Kapitel der Fotografie. Erinnerungsfotos von Toten. Eine merkwürdige Tradition aus viktorianischen Zeiten. Bekannt aus dem Film „The others“ wurden diese merkwürdig anmutenden Fotos wohl gemacht, da man selten selbst einen Fotoapparat hatte, und dies die letzte Möglichkeit eines Fotos war. So wurden verstorbene Familienmitglieder ein letztes Mal für ein Portrait hergerichtet, um allein oder im Kreis der Familie für die Ewigkeit festgehalten zu werden. Auf den ersten Blick oft nicht zu erkennen, ist ein fast eindeutiges Merkmal der hinter der Person stehende Ständer, an dem diese fixiert wurde. Fast deshalb, weil dieser Ständer übliches Utensil in jedem Fotostudio war, um den lebenden Motiven das lange Stillhalten während der „Prozedur“ zu erleichtern. Belichtungszeiten von einer bis dreißig Sekunden erklären warum. Sammler sollten sich vor diesem Argument für einen Tausch und/oder Kauf hüten!
Schon vor der Erfindung der Fotografie waren Gemälde verstorbener Persönlichkeiten durchaus üblich. Wurden zunächst lediglich Porträts hoher geistlicher und weltlicher Würdenträger angefertigt, folgte schon bald das aufkommende Bürgertum mit dem Wunsch, selbst seine Verstorbenen so zu würdigen. Allerdings war die künstlerische Freiheit der Künstler stark begrenzt, da sie neben pietistischen Gründen auch den Faktor Zeit zu berücksichtigen hatten. So hatten die Auftraggeber nicht die große Auswahl, sondern mussten sich oft mit den ortsansässigen Künstlern zufrieden geben.
Die Toten wurden meist in ihrer feinsten Kleidung, liegend oder sitzend, porträtiert. Durch die Gestaltung des Hintergrundes oder durch symbolhafte Gegenstände im Bild, wurde jedoch unzweifelhaft auf den körperlichen Zustand des Abgebildeten hingewiesen. Sehr früh erkannten die Fotografen hier eine lukrative Einnahmequelle. Zunächst eiferten sie in der Ausdrucksweise der Fotografien den üblichen Darstellungen nach. Ab etwa 1880 änderte sich jedoch die Darstellungsweise grundlegend. Hierfür verantwortlich waren die sich verändernden Bestattungsrituale. Wurden die Verstorbenen bis dahin üblicherweise von der Familie beerdigt, traten die Bestattungsinstitute immer mehr in den Vordergrund. Auch hygienische Aspekte ließen eine Fortführung der traditionellen Leichenfotografie oft nicht mehr zu. So wurde in Österreich bereits 1885 ein Gesetz erlassen, dass das Fotografieren von Leichen in den Räumen der Fotografen untersagte.
Auch für die Post Mortem Fotografen gab es durchaus Anerkennung für ihre Tätigkeit. Einige wenige wurden dadurch sogar zu Berühmtheiten. Nicht selten fällt in dem Zusammenhang der Name Albin Mutterer (1806-1873) aus Wien, der so genannte “Totenphotograph von Thury”.
Ab den 1930er Jahren veränderte sich die Einstellung zur Post Mortem Fotografie maßgeblich. Plötzlich waren diese Aufnahmen “Makaber” und wurden allenfalls noch heimlich angefertigt. Meiner ganz persönlichen Meinung nach, spielte die Tatsache, dass man jetzt selbst fotografieren konnte -und dies auch tat-, und man somit Versäumtes nicht nachholen musste, die größere Rolle.
Heute werden diese Fotografien für teures Geld auf den diversen Auktionsplattformen angeboten. Wobei nach meiner Meinung, und hier stehe ich nicht allein, der größte Teil der angebotenen Aufnahmen schlicht keine Post Mortem Aufnahmen sind. Betrug sei hier selten zu unterstellen, höchstens Unwissenheit. Eindeutige Merkmale zur sicheren Identifizierung gibt es kaum. Allenfalls gute Hinweise sind zum einen die sichtlich erschlaffte Körperhaltung, der ausdruckslose „Stecknadelblick“ sonstwohin, die Trauerdekoration, verrenkte Körperhaltungen, merkwürdig gehaltene oder offensichtlich fixierte Gegenstände und die oftmals (wie oben schon erwähnt) auf- bzw. nachretuschierten Augen.
Es sollten aber mehrere Faktoren zutreffen, um sich einigermaßen sicher sein zu dürfen.
Und überhaupt: Wer sammelt sowas?